Die Sozialbestattung

Trauer & Gedenken hat sich mit dem Leiter des Ordnungsamts Heilbronn, Bernd Werner (61), über ein heikles Thema unterhalten. Die Sozialbestattung ist der Albtraum vieler älterer Menschen. Er verrät uns, dass in Deutschland für jeden Toten gesorgt ist.

Trauer & Gedenken: Was genau versteht man unter einer Armenbestattung?

Bernd Werner: Darunter versteht man zum einen die Sozialamtsbestattung und zum anderen die Ordnungsamtsbestattung. Bei der Sozialamtsbestattung können Angehörige, die weder mit einem Nachlass, ihrem Einkommen oder Vermögen in der Lage sind, für die Bestattungskosten aufzukommen, diese beim Sozialamt beantragen.

Sind keine Angehörigen mehr vorhanden oder können diese nicht schnell genug ermittelt werden oder weigern sie sich, die Bestattung zu veranlassen, so veranlasst das Ordnungsamt die Bestattung (Ordnungsamtsbestattung). In diesen Fällen erhält der Verstorbene ein anonymes Urnengrab. Die Kosten werden den Angehörigen in Rechnung gestellt. Sind diese nicht in der Lage für die Kosten aufzukommen, können sie einen Kostenübernahmeantrag beim Sozialamt stellen.

Trauer & Gedenken:  Welche Kosten muss das Sozialamt übernehmen?

Werner: Übernommen werden nur die erforderlichen Kosten. Der Begriff Erforderlichkeit bezieht sich sowohl auf die Art als auch auf die Höhe der Kosten. Welche Kosten erforderlich sind, hängt immer vom Einzelfall ab. Einen Pauschalbetrag gibt es nicht.

Trauer & Gedenken: Heißt das, dass Alternativen wie Wald- oder Seebestattungen nicht erlaubt sind?

Werner: Bestattungen im Friedwald sind grundsätzlich möglich. Die Frage stellt sich jedoch weniger nach der Art der Bestattung, sondern vielmehr im Zusammenhang mit den entstehenden Kosten.



Trauer & Gedenken: Wie viel zahlt das Sozialamt für eine Bestattung?

Werner: Es werden sowohl bei einer Feuer- als auch bei einer Erdbestattung nur die Kosten für ein Reihengrab übernommen. Ein Anspruch auf ein Wahlgrab besteht nicht. Ebenfalls nicht übernahmefähig sind Kosten für Todesanzeigen oder Danksagungen, laufende Grabpflege, Kosten des Bestatters für die Erledigung von Formalitäten sowie Ausgaben für die übliche kirchliche und bürgerliche Feierlichkeit.

Im Durchschnitt werden Beträge zwischen 3.600 Euro bei Feuer- und 4.200 Euro bei Erdbestattung übernommen. Die Beträge können im Einzelfall aber hiervon abweichen. Für Bestattungen außerhalb des Stadtkreises Heilbronn werden derzeit neben den Gebühren nach der Friedhofsordnung Kosten bis 1.600 Euro anerkannt. Dieser Betrag beinhaltet sowohl die Kosten des Bestattungsunternehmens als auch die Kosten für die Leichenschau und das Anlegen des Grabes. Damit ist eine einfache, aber würdige Bestattung möglich.

Trauer & Gedenken:  Was würden Sie ändern, wenn Sie könnten?

Werner: Leider wird der Tod immer mehr aus dem Bewusstsein verdrängt. Angehörige, so unsere Erfahrung, haben meist nur die Kosten im Blick und scheuen diese. So entziehen sich viele ihrer Verantwortung für sich selbst und für andere. Jeder sollte sich meiner Meinung nach frühzeitig mit dem Thema Tod auseinandersetzen.

Trauer & Gedenken:  Schützt Vorsorge vor einem Armengrab?

Werner:  Eine Sterbegeldversicherung oder ein Bestattungsvorsorgevertrag für eine würdige Bestattung schützt grundsätzlich schon vor einem Armengrab.

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